CD-Vorstellungen

Qntal "Purpurea – The Best of"

Bereits mit ihrem schlicht „I“ betitelten Debüt-Album sorgten Qntal im Jahre 1992 durch ihre Symbiose von mittelalterlichen Klängen und Texten und modernen Elektrosound für großes Aufsehen in der Musikszene. Nach 18 Jahren und fünf weiteren Alben, auf denen die Band ihrem Konzept treu blieb, dieses aber gleichzeitig immer wieder neu erfand, bietet das Trio mit „Purpurea – The Best of“ eine Rückschau auf ihre außergewöhnliche Karriere. Während die erste CD nach klassischem Muster die besten und erfolgreichsten Stücke vereint, finden sich auf der zweiten Remixe und unveröffentlichte Tracks der Band, die die CD auch für Fans, die bereits alle Alben der Band besitzen, äußerst interessant machen. (Uwe Ciesla)

Selbst-Zerstörung „Mann ohne Namen“

Das erste Mal, dass die Verdener Punk-Band Selbstzerstörung für Aufsehen sorgte war, als sie beim Freibad Open-Air in Achim direkt neben dem Infostand der Polizei den Slime-Song „Bullenschweine“ coverte. Auch auf ihrer zu ihrem Konzert am 5. April im JuZ Verden herausgebrachten Demo-CD hört man die Einfüsse der Hamburger Punklegende heraus. Eingängiger Dreiakkorde-Punkrock mit parolenhaften Refrains und politischer Attitüde prägt das Album. Wo‘s bei Slime gelegentlich ins Prollige abdriftet, darf‘s bei Selbstzerstörung auch mal etwas nachdenklicher sein. Allerdings nur inhaltlich.Musikalisch geht‘s auf allen sechs Songs der CD mit Volldampf voraus. (uc)

Despairation "A Requiem In Winter's Hue" (VÖ 29.02.2008)

Die 1994 im Teenageralter gegründete Band Despairation hat in ihren fünf seit 1998 erschienen Alben zahlreiche Stilwechsel vollzogen. Während in den frühen Veröffentlichungen vor allem Gothic und Metal dominierten, waren die späteren Alben eher im Alternative-Rock-Bereich angesiedelt. Ihre aktuelle CD ist auffällig ruhig ausgefallen und weiß mit melancholischer Romantik zu überzeugen. Musikalisch fließen entsprechend der Bandgeschichte die unterschiedlichsten Stilrichtungen, von Alternative, Gothic und Metal über Psychedelic und 70s-Rock bis hin zu Funk und Jazz ein. Stellenweise fühlt man sich an Marillion oder David Bowie erinnert, die düsteren Momente verweisen eher auf die Gothic-Wurzeln der Band. (Uwe Ciesla)

Qntal "VI – Translucida" (VÖ 29.02.2008)

Einstmals als einmaliges Projekt dreier herausragender Musiker geplant, sind Qntal inzwischen so etwas wie eine Institution der elektronischen Alternativmusikszene geworden. Auf ihrer sechsten CD, die Ende Februar in die Läden kommt, verbinden sie wieder historische Klänge mit elektronischen Sounds. Im Gegensatz zum Vorgängeralbum ist die neue CD wieder etwas tanzbarer geraten und hat wieder das Zeug den einen oder anderen Clubhit hervorzubringen. (Uwe Ciesla)

Tourdaten:

08.04.2008 Jugendkirche Jona - Frankfurt (D)

09.04.2008 Musikzentrum - Hannover (D)

10.04.2008 Schloss - Ottweiler (D)

11.04.2008 Grote Kerk - Enschede (NL)

12.04.2008 Christuskirche - Bochum (D)

Leandra "Metamorphine" (VÖ: 22.02.2008)

Ein altes Klavier mit Elfenbeintasten. Ein kleines Mädchen, das unbeirrt mit den zarten Fingern Melodien spielt. Mit drei Jahren sind es die Klänge ihrer russischen Kindheit. Als mit sechs Jahren der ehrgeizige Klavierunterricht beginnt, hört sie mehr und mehr die eigenen Melodien in ihrem Kopf. Sie wollen hinaus. Als hochbegabt gefördert und gedrillt, gewinnt das kleine Mädchen mit den scheuen Augen in Weißrussland einen Wettbewerb nach dem Anderen.

In Deutschland beginnt sie schließlich ihre eigenen musikalischen Wege zu finden, zuerst mit Rya als Support von Letzte Instanz, später als ihr Alter Ego Ophelia Dax bei der durchgeknallte Industrial-Band Jesus On Extasy. Als Leandra bringt sie nun erst mal ihre inneren Welten auf einem Soloalbum zum Ausdruck. Entstanden sind dabei 11 Songs, die allesamt Vertonungen persönlich durchlebter Extremsituationen darstellen. Musikalisch klingt Leandra deutlich ruhiger als Ophelia Dax bei Jesus On Extasy, wenn auch nicht weniger avantgardistisch. „Metamorphine“ ist ein Ambient-Album von dunkler Schönheit und geisterhaftem Gesang. (Uwe Ciesla)

Ausnahmezustand – "Besser als ich"

Die Achimer Nachwuchs–Punkband „Ausnahmezustand“, die schon bei einigen Konzerten in der Umgebung überzeugte, tritt jetzt mit einer neuen Aufnahme in Erscheinung. Die Demo-CD „Besser als ich“ klingt allerdings ganz anders, als man es gewohnt ist. Denn die Punks treten in veränderter Besetzung auf. Nach einigem Hin und Her ist die Band nun nur noch zu Dritt. Der fehlende weibliche Gesang gibt der Musik einen ganz neuen Charakter. Das ganze wirkt lauter, krachiger und mehr nach typischem, eingängigem Deutschpunk. Auch die Texte der Band haben sich gewandelt. Ausnahmezustand entfernt sich immer mehr vom Parolenschmettern und greift in den Texten Themen wie Krieg, Vorurteile und Gesellschaftszwänge auf. Kostenlos runterladen kann man die Demo auf der Homepage der Band: www.az-band.de. Live ist die Band übrigens am 09. Februar im Dröönläänd zu sehen. (siehe Kulturkalender) (Sven Herrmann)

Bionic Stylz "Kopfzerbrechen"

Seit dem 21. Dezember 2007 ist die neue Scheibe der Bremer Hip Hop Combo Bionic Stylz in den Bremer Plattenläden zu erwerben. Die vierköpfige Gruppe, die sich 2006 gegründet hat, besteht aus Bionic Jay, Leiftsylz, CTK und dem Achimer Old Shatterhand. Nach eigenen Angaben haben sie es sich zur Aufgabe gemacht den Deutschen Rap zu retten und „wieder Spaß rein zu bringen“. Wirklich überzeugend sind auf der Platte die Sounds und Beats. Die klingen nämlich tatsächlich außerirdisch oder zumindest sehr neu und abwechslungsreich. Die Raps sind zwar kraftvoll und ausgefeilt, aber für die Hip Hop Szene außergewöhnliche Themen werden hier nicht aufgegriffen. Erwerben kann man die CD bei Boombastic Store, bei Titus, FixMix, rap.de, mzee.de, hiphop.de, Hotshots, WOM und bei Deejyas oder bei Anfrage direkt auf www.bionic-stylz.de (Sven Herrmann)

Crematory "Pray"

Deutschlands erfolgreichste Gothic Metal Band veröffentlicht am 01. Februar ihr 11. Album. Zwei Jahre mussten die Fans auf das mit 10 Songs bestücktem Album warten. Die gewohnt fetten Gitarrenriffs, kommen in diesem Album noch aggressiver und brachialer als in der Vergangenheit zur Geltung. Bei der neuen Scheibe regiert textlich wieder die Dunkelheit, die von Streicheinsätzen und Chören unterstützt wird. Getüftelt wurde auch an den Keyboardklängen, die erdiger und düsterer klingen.

Im Mai 2008 startet die „Pray over Germany“ Tour der Band. Im Sommer sollen zahlreiche Festivals sowie eine Auslandtour im Herbst und Winter hinzukommen.

(Sven Herrmann)

Letzte Instanz „Das weisse Lied“:

Brachialromantik, Folkrock, Crossover, Gothik oder Deutschrock – die „Letzte Instanz“ hat in ihrer 10jährigen Bandgeschichte zahlreiche Wandlungen vollzogen. Zum 10jährigen Bandjubliäum haben sie ihre bekanntesten Stücke sowie vier Neukompostionen auf das wesentliche reduziert und ein rein akustische Album aufgenommen. Mit Hilfe zahlreicher Gastmusiker, u.a. von Subway To Sally und Schandmaul, wurden E-Gitarren durch klassische Streicherquartette und ein Piano ersetzt. Ihr Sound wird durch diese Demaskierung ruhiger und klarer aber nicht unbedingt weniger mitreißend, was die Qualität ihrer Kompositionen belegt. Als besonderen Bonus gibt es auf der CD David Bowies deutsche Version seines Hits „Heroes“, die er während seiner West-Berliner Zeit Ender der 70er Jahre schrieb. Im Text geht es um zwei Liebende, die sich im Ost-West-Konflikt an der Berliner Mauer wiederfinden. Die Aufgabe dieses Stück nach 30 Jahren neu zu beleben scheint wie geschaffen zu sein für eine Band aus drei Bayern, drei Sachsen und einem Berliner.

Tipp: Auf Tour mit der neuen CD macht die Band u.a. Station am 23.2.2008 in Hannover (Markuskirche) und am 26.02.2008 in Bremen (Schlachthof)

(Uwe Ciesla)

MiLu „Longing Speaks With Many Tongues“:

„Du singst wie das Meer – still und aufbrausend“, soll ein Schamane zu der Wahlberliner Sängerin, Texterin und Produzentrim Anke Hachfeld alias miLu gesagt haben. Nachdem sich miLu mit ihrem ersten Soloalbum dem Trend entsprechend auf deutschsprachige Texte konzentrierte, kehrt sie nun zu den Wurzeln ihrer ehemaligen Gruppe Mila Mar zurück. „Mein schönster Fehler“, blickt sie heute auf ihr Vorgängeralbum zurück. „Fehler muss Mensch leidenschaftlich begehen, um zu wissen, wo die eigenen Wurzeln liegen.“ Auf „Longing Speaks with many tongues“ singt sie wieder vornehmlich in ihrer selbst kreierten Fantasiesprache, mit der sie nach eigener Aussage Dinge zum Ausdruck bringen kann, die sich nicht in Worte im eigentlichen Sinne fassen lassen. Das Album ist geprägt von einem stillen in sich ruhenden Sound, der mit archaischer Lebendigkeit und Ankes eindringlichem Gesang seine Zuhörer fesselt und in ferne Gefühlswelten entführt. (Uwe Ciesla)

Inidio „Endless Way“:

Auch auf ihrem zweiten Album vereint das Duo Inidio Elemente unterschiedlicher Kulturen und Traditionen. Zu den von Franz Zambon komponierten und am Piano gespielten Stücken singt Sängerin Valentina Buroni mit klarer heller Stimme unterstützt von zahlreichen Gastmusiker auf zum Teil historischen akustischen Instrumenten. Keltische, antike und ethnische Stile werden dabei mit klassischen Elementen zu einem modernen Ambient-Sound verwoben. Inhaltlich erzählt das Album von der Reise einer jungen Frau im 15. Jahrhundert, die mit rastlosen Geist ihrem Vater auf eine Handelsreise von Europa in den mittleren Osten folgt und dabei neue Welten und bisher unbekannte Gefühle entdeckt. (Uwe Ciesla)

Coppelius – „Time-Zeit“

Diese Band versetzt die Hörer zurück ins 19. Jahrhundert. Nach eigenen Angaben gründete sich die Band nämlich 1803 und besteht nun mehr seit über zweihundert Jahren. Auch die Instrumente sind der Zeit entsprechend ausgewählt: zwei Klarinetten, ein Cello, ein Kontrabass und ein Schlagzeug sorgen für angenehme und dennoch rockige Melodien. Die Instrumente sind teilweise elektronisch so verzerrt, dass ein Klarinettensolo schon mal nach einem kräftigen Gitarrensound klingt. Das nun erschienene erste Album der Band „Time-Zeit“ hört sich stellenweise an wie die Verschmelzung von Iron Maiden und Apocalytica. Während die Texte, wie auch der Name der Band, sehr an Texte des Romantikers E.T.A. Hoffmann erinnern, reicht die Musik von Ouvertüre bis Motörhead. (Sven Herrmann)

trio kali gari "dos lebn - a tants" und "in adess"

Seit nunmehr 17 Jahren gibt es das trio kali gari. Nach 6 Jahren Schaffenspause bringen sie nun endlich ihre dritte und gleich die vierte CD heraus. Diesmal mit dem „Neuen“ am Kontrabass: Reinhard (Hardy) Röhrs.

Auf der ersten Neuerscheinung „dos lebn – a tants“ haben Karin Christoph (Geige, Gesang) Thomas Denker (Akkordeon, Gesang) und Reinhard Röhrs (Kontrabass, Gesang) Musik aufgenommen, die sie in der Regel nicht auf ihren Klezmerkonzerten spielen. Es ist Musik für Straßenfeste und Hochzeiten, Musik, die zum Tanzen und Zuhören einlädt. Beeindruckend ist die Vielfalt der Klänge: französische Musette Walzer, Lieder aus dem Musical „Anatevka“, ungarische, russische und deutsche Zigeunermusik, und dann unvermittelt ein Wiener Lied von Georg Kreisler. Und immer wieder doch das Östliche, frech und präsent. Selbst Mozarts „alla turca“ wird davon nicht verschont, sondern bereichert.

Die zweite CD „in adess“ steht ganz in der Tradition des trio kali gari: Klezmer, jiddisches kalabyrinthisches untertiteln sie schon ihre ersten beiden CD’s („bessarabianke“ und „ayzike zun“). Traditionelle Klezmertänze, frisch und sehr eigen interpretiert wechseln zum amerikanischen „jiddisch Twist“ und zu balkanischen Klängen. Ein traditionelles Lied über die jiddische Mame gewinnt erst seine wahre Bedeutung durch Georg Kreislers „Die Tante“. Denn das trio kali gari bedient nicht die nostalgischen Klischees des „Shtetl“ von einst, sondern sucht und findet immer auch die Verbindung zur Gegenwart. (Uwe Ciesla)

Las Vegas "Das Nightlife"

Mit seinem neuen Album „Blicke sagen mehr als Worte“ hat Johnny las Vegas definitiv ein Stück regionale Musikgeschichte geschrieben. Der Solokünstler singt an seiner Gitarre über die Gefühle, die in einem Kleinstadtleben so auftreten und seine Musik wird daher nicht ohne Grund als Achimrockcityrock bezeichnet. Der Vergleich zu seiner vorangegangenen EP „Was für ein Trauerspiel“ zeigt, dass die Lieder ruhiger, durchdachter, vom Sound klarer und auch einfach besser geworden sind. Die Hits des Albums sind definitiv „Alexander“, „Oldenburg“ , „Das Nightlife unserer Stadt“ und „Teenageangst“. Besuchen kann man den Musiker bei „MySpace“ unter: www.myspace.com/johnnylasvegasachimrockcity

Eric Fish "Gegen den Strom"

Eric Fish, bekannt geworden als Sänger der Folkmetal-Band Subway To Sally, präsentiert sich auf der inzwischen schon dritten Soloveröffentlichung von einer gänzlich anderen Seite. Als Liedermacher, lediglich begleitet von Akustikgitarren und Klavier, singt er über seine Ansichten über das Leben – rebellisch, romantisch, hemmungslos, reflektierend und doch aus dem Bauch heraus. Mit einfachen Mitteln eine maximale Wirkung zu erzielen, das ist die besondere Kunst, die diese CD auszeichnet. Hinter diesem Mann steckt offenbar einiges mehr, als der brachiale Zyniker, für den man Eric als Sänger einiger Subway To Sally-Songs halten könnte – absolut beachtenswert.

Fiddlers Green „Drive Me Mad“

„Folk’s Not Dead“ heißt das zweite Stück aus der neuen Fiddler’s Green-CD und könnte gleichzeitig das Motto dieser Scheibe sein: Den sechs Musikern ist das Kunststück gelungen auch im Studio so frisch und unverbraucht zu klingen, wie bei ihren legendären Abfeierpartys auf der Bühne. Und ja, es ist tatsächlich gelungen noch eine Schippe draufzulegen und ihren Irish Independent Speedfolk noch energievoller mit mitreißender zu präsentieren als gewohnt, wozu vermutlich auch die Neubesetzung des Gesangs- und Gitarrenparts durch Pat Prziwara beigetragen haben mag. Und zu allem Überfluss hat es die Band geschafft Qualität mit Quantität zu vereinen und insgesamt 20 Stücke auf die CD gebracht von denen nicht ein Aussetzer zu verzeichnen ist. Tipp: Fiddlers Green live: 8.2. HH (Fabrik), 9.2. Kiel (Pumpe) & 16.2. HB (Tivoli)

Brandos - „Over The Border“

Seit Ende der 80er Jahre stehen die Brandos aus New York für geradlinigen Gitarrenrock, den sie auch auf ihrer ersten Scheibe nach langjähriger Schaffenspause zelebrieren. Die CD ist äußerst abwechslungsreich und zu zeigt die gesamte musikalische Bandbreite der gitarrenlastigen Rockmusik. Tief verwurzelt im 60ies und 70ies-Rock werden die Stücke angereichert mit Irish Folk, mexikanischen Einflüssen, New Wave und Hard Rock, so dass es beim Hören nie langweilig wird. Das ganze ist zwar nicht gerade super innovativ und neu, kommt aber trotzdem recht frisch und modern daher. Nur die Coverversion von „Guantanamera“ hätte sie sich lieber sparen sollen, zumal auf der CD bei insgesamt nur 10 Stücken noch zwei enthalten sind, die nicht aus eigener Feder stammen.

Knorkator „Das nächste Album aller Zeiten“

Es soll ja immer noch ein paar Menschen geben, die Knorkator noch nicht kennen. Wer auf derbe Musik mit derben Texten steht und Rammstein „nicht witzig genug“ findet, sollte diese Wissenslücke unbedingt schließen. Mit ihrem neuen Album tragen sie dazu sogar ihrem fortschreitenden Alter Rechnung indem sie z.B. die Welt aus Sicht eines Greises erklären (Alter Mann) oder sich darüber beschweren, dass in ihrem Publikum nur bärtige Männer mit dicken Bäuchen zu finden sind (Für meine Fans), aber auch durch einen erhöhten Anteil sanfter Töne. Aber nichtsdestotrotz lassen sie es auf „Das nächste Album aller Zeiten“ auch wieder richtig krachen und zwar sowohl musikalisch als auch inhaltlich.

Delight „Breaking Ground“

Wenn in Deutschland um Polen geht, ist dabei selten die dortige Rockmusikszene das Thema. Das soll sich mit Delight ändern, deren neues Album gerade über Roadrunner in Deutschland erscheint. Die polnische Band möchte als wesentliche Elemente Pop, Gothik und Metal in ihrer Musik verkörpern. Während die Drums und Gitarren härtere Rhythmen anschlagen, singt die Sängerin klaren Popgesang. Leider gelingt die Verschmelzung der beiden Genres nicht ganz, der Pop überwiegt meist den harten Metalgitarren gegenüber. Doch einige Stücke auf der CD sind sehr hörenswert, wie etwa `More´. Hier kommt der Metal stärker durch, der Beat rockt und die Drums sind laut.

Faun „Totem"

Fast zwei Jahre sind seit dem letztem Album vergangen. Doch endlich wartet Faun mit einer neuen CD auf, auf die sich das Warten gelohnt hat! Das neue Album ist sehr düster und geheimnisvoll geworden, doch auch voller Anmut und Magie. Es entführt den Hörer auf eine Reise in mystische Klanglandschaften. Eine Reise in eine Welt aus Legenden und Mythen. Dabei verschmelzen mittelalterliche Instrumente, filigrane Gesänge und treibende Beats. Wie von Faun gewohnt, sind die Texte sehr melancholisch

YOK „Lieselotte Meyer lebt!“

„Lieselotte Meyer lebt!“ lautet die freudige Nachricht aus dem Hause Quetschenpaua. Lieselotte Meyer aus der Rosenstraße 8 dürfte allen ein Begriff sein, die sich seit Ende der 80er Jahre für links-alternatives Kulturgut interessiert haben. Die fiktive alte Dame, die sich mit den Hausbesetzern anfreundet, wurde von Yok Quetschenpaua bereits in mehreren Songs besungen und findet sich sowohl in einem Stück als auch im Titel seiner neuen CD wieder. Seinen Künstlernamen hat der Wahlberliner inzwischen auf ein kurzes und griffiges „Yok“ verkürzt, aber seine Qutesche (Akkordeon) ist immer noch mit von der Partie und auch seine Power scheint ihm nicht abhanden gekommen zu sein. Textlich und inhaltlich beschäftigt er sich wie gehabt mit dem Militanzbegriff der radikalen Linken und mit Menschen, die zeigen, dass ziviler Ungehorsam keine hohle Floskel sein muss, was in Zeiten, in denen sich Rassismus, Sexismus und Konsumwahn immer mehr im Alltag breit machen, aktueller scheint denn je. Dabei bleibt er seinem Stil treu, das Politische in persönlich-poetische Geschichten zu verpacken und mit einer guten Portion (Selbst-)Ironie zu würzen. Zu beziehen ist die CD bei verschiedenen Punkmailordern wie www.plastic-bomb.de oder www.amoebenklang.de.Allein schon für das ausführliche Booklet mit den Texten und kurzen Kommentaren zu sämtlichen Stücken lohnt sich die Anschaffung.

JBO „Rock Muzik“

Mit ihrer neuen CD wollten die Pink-Blödel-Rocker die Wartezeit zum nächsten Longplayer verkürzen - und das ist ihnen gelungen. Ihre fünf Songs überzeugen mit Witz, rockiger Gitarre, wuchtigen Bassläufen und Schlagzeuggrooves. Es ist ihnen geglückt, Fun-Metal mit leichten gesellschaftskritischen Einflüssen zu versehen. Eines der musikalischen Highlights ist definitiv das Cover „Fränkisches Bier“ vom Schlager-Hit „Griechischer Wein“. Doch auch drei gute rockige, selbstproduzierte Songs sind auf der CD zu finden. Wer allerdings auf Musik steht, bei der nicht durchgehend geblödelt wird und die durchaus auch einmal Tiefgang zeigt, der sollte diese Scheibe lieber nicht hören.

Texas Terri „Eat Shit + 4“

Am 28.11. konnte man Texas Terry, die Trash Queen des Punk’n’Roll, im Bremer Römer live erleben. Auf CD gibt es hingegen nichts wirklich ganz Neues. Aber dafür ist jetzt ihr Debüt erstmalig europaweit veröffentlicht worden unter dem programmatischen Titel „Eat Shit + 4“. Der Zusatz „+ 4“ weist darauf hin, dass vier Bonus-Tracks enthalten sind, von denen einer ein sehenswerter Video-Track ist. Beim Hören der CD werden sich so einige, die das Konzert verpasst haben - in Terris Slang gesprochen - in den „A… beißen“. Denn was Terri und ihre Band zu bieten haben, ist der absolute Hammer: Laut, dreckig und dabei äußerst eingängig – gelebter Street-Punk bei dem still sitzen zu bleiben schon fast ein Kunststück ist. So hätten wohl The Stooges oder die Sex Pistols geklungen, wenn Iggy Pop oder Johnny Rotten als Frau geboren wären.

De/Vision „Best Of…“

Pünktlich zur Weihnachtszeit veröffentlichen De/Vision ein Best Of-Album ihrer 18jährigen Bandgeschichte. Obwohl das Elektro-Pop-Duo sich nicht als typische Single-Band versteht, haben die zwei insgesamt 17 ihrer besten und bekanntesten Songs auf der CD vereint. Ihren Ruf, sie seien die deutsche Antwort auf Depeche Mode, werden sie mit dieser Werksschau eher bestätigen als abbauen. Mehr noch als Depeche Mode setzten sie jedoch auf poppige Melodien und Eingängigkeit. Rockige Elemente, Ecken und Kanten, die einen aufhorchen lassen, sind hingegen Mangelware. Die findet man dann eher auf der zweiten CD, die Remixe ihrer Songs enthält, die zum Teil von anderen Musikern beigesteuert und in drei Fällen auf dieser CD sogar erstmalig veröffentlicht wurden.

Qntal „Silver Swan“

1991 begannen Michael Popp und Sigrid Hansen unter dem Namen Qntal ihren eigenen Musikstil zu prägen, bei dem historische Musik, Pop und Elektrosound aufeinandertreffen. Während dabei in der Vergangenheit oftmals ekstatische Tanzstücke entstanden, haben sie auf ihrer neuen CD in der Ruhe die Kraft vergessen. Entstanden ist dabei eine leise CD für ruhige Momente.

Corvus Corax „Venus Vina Musica“

„Die Könige der Spielleute“ werden Corvus Corax genannt und mit ihrer neuen CD belegen sie, dass sie diesen Namen zu Recht tragen. Über das übliche Dudelsack-Gestampfe hinaus zeigen sie sich als virtuose Musiker, was nicht zuletzt mit der gefühlvollen mittelalterlichen Ballade „Qui Nous Demaine“ belegt wird. Darüber hinaus integrieren sie in der Tradition des umherziehenden Spielmannes dezent dosiert musikalische Einflüsse verschiedenster Kulturen in ihre Musik.

New York Dolls „One Day It Will

„Solange Johnny Thunders lebt, solange bleib’ ich ein Punk“ sangen einst die Toten Hosen. Und wir sangen fleißig mit, ohne dass einer von uns wußte, wer dieser Johnny Thunders eigentlich ist. Bei Roadrunner gibt es jetzt Nachhilfe-Unterricht in Sachen Musikgeschichte. Thunders einstige Band, die New York Dolls, haben nach 30 Jahren ein neues Album veröffentlicht. In der 70ern schrieben sie mit nur zwei Alben Musikgeschichte und waren Wegbereiter des Punk Rock und Vorbilder zahlreicher Bands, die bis heute in keiner Plattensammlung fehlen sollten. Solch eine Legende neu aufleben lassen zu wollen, trägt natürlich immer die Gefahr in sich, sein eigenes Denkmal zu zerstören: Was damals aufregend und neu war, klingt 2006 auf der neuen CD wie Rolling Stones auf Punk Rock-Trip. Johnny Thunders ist leider nicht mehr dabei. Er kam 1991 unter ungeklärten Umständen zu Tode und Campino machte vor kurzem in einem Interview mit seinem Verständnis für sogenannte Spießer auf sich aufmerksam. Aber die New York Dolls wollen es allen noch mal zeigen... (uc)

The Creetins „City Screams My Name“

Rock City Kiel - nach Smoke Blow machen sich nun The Creetins auf, die Ostsee-Stadt auf der Landkarte der härteren Rockmusik zu verewigen. Die Zutaten sind dabei ähnlich: Punk-Gitarren, Mitgrölrefrains und harter Rock. Wo’s bei Smoke Blow manchmal einen musikalisch rausgestreckten Mittelfinger zuviel gibt, warten die Creetings mit einer gehörigen Dosis Popappeal auf. Musikalisch einzuordnen ist die neue CD der Kieler irgendwo in der Schnittmenge zwischen AC/DC, den Ramones und den Beatsteaks. (uc)

Sampler - „Schattenreich Vol. 3“

„Schattenreich, der größte Sampler für die schwarze Szene, geht in die dritte Runde. Wieder wurde eine Doppel-CD von Szenekennern zusammen gestellt, die (fast) alles enthält, was im Gothic-Bereich Rang und Namen hat, wie Marilyn Manson, In Extremo, New Order, HIM, Oomph!, Schandmaul, Rammstein, Nightwish, Within Temptation oder 69 Eyes. Aber auch zahlreiche Newcomer und Geheimtipps werden präsentiert. Auch die Mischung aus aktuellen und zeitlosen älteren Stücken sowie der verschiedenen Stilrichtungen der düsteren Musik ist sehr ausgewogen. Die Songauswahl und Zusammenstellung ist äußerst gefällig und dürfte auch Mainstream-Hörer mit Hang zu dunklen Klängen begeistern. Ein musikalischer Untergrund wird dabei allerdings nur sehr begrenzt repräsentiert. (uc)

Junkie XL „Today“

Junkie XL, holländischer Soundtüftler, der mit einem Elvis-Remix weltweite Berühmtheit erlangte, ist mit seinem neuen Album am Start. Schwerpunkt auf „Today“ sind elektronische Beats, die melancholisch und gleichzeitig äußerst entspannt das ganze Album durchziehen. Die gesamt CD eignet sich sowohl als Tanz- als auch als Chill Out-Musik und bietet sich als hervorragender Soundtrack für nächtliche Autobahnfahrten an. (uc)

36 Crazyfists „Rest Inside The Flames“

Während sich die Band in ihrer Anfangszeit in Alaska auf’s stumpfe „Drauflosholzen“ beschränkte, hat sie inzwischen ihr Songwriting weiterentwickelt, indem sie Schnelligkeit, Härte und Atmosphären gekonnt variiren. Mal fühlt man sich dabei an Slipknot „Wait & Bleed“ erinnert, dann folgen melancholische Gitarren-Rock-Passagen und werden durchbrochen von kraftvollen Metal-Riffs. Das Leben ist manchmal einfach zum Schreiben, aber hinter all dem Negativen leuchten manchmal auch die positiven Aspekte hervor. 36 Crazyfists liefern den Sountrack dazu! (uc)

Liv Kristine „Enter My Religion“

Wer Liv Kristine noch als Sängerin der Gothic-Metal-Band Theatre of Tragedy kennt, wird auf ihrer Solo-CD vielleicht noch ihre Stimme wiedererkennen, aber ansonsten haben ihre neuen musikalischen Pfade nicht mehr viel mit ihrer Vergangenheit gemein. Nachdem die Norwegerin nach Deutschland übergesiedelt war, sang sie 1999 das Titelstück zu dem Schimanski-Tatort „Sehnsucht“ und schaffte es damit auf den Bravo Hits-Sampler aufgenommen zu werden. Auf ihrer Solo-CD gibt es zwar noch Passagen, die auch auf einem Gothic-Album Platz gefunden hätten, geprägt ist es jedoch von Herz-Schmerz-Pop, der in besseren Momenten gesanglich an Kate Bush erinnert.

Regicide „Break The silence“

„Regicide“ stehen mit „Break The Silence“ in der Riege der vielversprechenden Newcomer des vergangenden Jahres. Der Bombast eines kompletten Chores hat einige musicalartige Passagen und lässt im Zusammentreffen mit den spärlich gesetzten „Progressive Riffs“ eine flirrende Melancholie hören. Druck, Eleganz, Vehemenz und verhaltener Pianolauf werden durchgestylt drapiert zum opulenten musikalischen Drama.

Letzte Instanz „Ins Licht“

Mit Holly, dem neuen Mann am Mikro, hat die „Die letzte Instanz“ das Experiment gewagt, und mit neubesetzter Sängerposition ihre neue CD eingespielt. Die Texte der dreizehn neuen Songs arbeiten mit eindringlichen, ausdruckstarken und klaren Bildern. Die Klänge halten sich im Konsens zwischen düsterem „Gothic“, beschwingtem „Folk“ und Crossover Pop. „Die letzte Instanz“ verbindet in einigen Stücken die charakteristischen und eindringlichsten Momente ihrer bisherigen Musik. In anderen versucht sie sich an etwas gänzlich Neuem und ist dabei radiotauglich und massenkompatibel. (ig)

De/Vision „subkultan“

Sythntie-Pop und Soft-Techno bieten die einst als deutsches Depeche Mode-Plagiat verschrieenen De/Vision auch auf ihrer aktuellen Veröffentlichung, die jedoch im Gegensatz zu älteren Scheiben mit stärkeren Einflüssen aus dem Dance-Bereich aufwartet. Durch den Einsatz von Verzerrern und Rockelementen wurde versucht, den etwas arg sterilen und geschniegelten Sound aufzulockern, was aber leider nur zum Teil gelingt. Als wirkliche Neuerung gibt es auf der CD ein deutschsprachiges Stück zu hören. Dies ist jedoch wiederum nur begrenzt überraschend, wenn man sie mit der Entwicklung der deutschen Musikszene in Verbindung bringt, (uc)

Blackmail „aerial view“

Rund um die Band Blackmail ist durch zahlreiche Nebenprojekte in Koblenz ein eigener Musikkosmos entstanden. Jetzt ist mal wieder die Hauptband an der Reihe, die dort gelandet ist, wo sie aufgrund ihrer Ursprünge hin zu gehören scheint: bei dem Berliner Indielabel City Slang, wo auch die geistig und musikalisch verwandten Notwist veröffentlichten. „aerial view“ ist weniger ein- und aufdringlich wie das poppigere Vorgängeralbum „Bliss Please“ (2001) oder das schroffe „Friend or Foe“ (2003), sondern erschließt erst mit jedem weiteren Hördurchgang seine ganze Schönheit. Ein Album das ganz klar eine musikalische Weiterentwicklung darstellt und gleichzeitig unverwechselbar nach Blackmail klingt. (uc)

Smoke Blow "Dark Angel":

Ohha, wo soll das noch enden mit den fünf Kielern und ihrem durchgeknallten Sänger: Wer, wie der Verfasser dieser Zeilen, ihre letzte CD schon für ihr Meisterstück hielt, wird hier eines besseren belehrt. Denn sie setzten mit dieser CD noch einen drauf: Kratzig, rau, brutal wie gewohnt, aber dabei noch eingängiger und einschmeichelnder als zuvor. Dass das Wort diabolical gleich in zwei Songtiteln vorkommt ist kein Zufall, dies Album ist teuflisch gut, hitkompatibel und dennoch immer mit geballter Faust nach vorn. Dass Doktor Bela B. sich auf den Weg nach Kiel machte, um beim Stück "Iron in my Soul" mitzuwirken, zeigt nur ansatzweise, welchen Stellenwert diese Band inzwischen besitzt.

Xandria "India":

Die Bielefelder Gothic-Rock-Band geht mit ihrem zweiten Album in die Vollen und hat sich für etliche Streicherpassagen durch das Deutsche Filmorchester Babelsberg verstärken lassen, das u.a. bereits für Rammstein, Rosenstolz oder Nena tätig war. Die neuen Stücke strotzen nur so von orchestralem Bombast, der auf modernen Metal trifft. Ruhige und düstere Töne wechseln sich ab und vereinen sich zu kraftvollen und dynamischen Songs, denen die Stimmen von Sängerin Lisa zusätzliche Intensität verleiht.

Schandmaul "Kunststück":

Die Münchener Mittelalter-Folk-Band hat sich einen Wunsch erfüllt und ihre bekanntesten Stücke unplugged mit einem Streichorchester auf die Bühne gebracht. Das ganze gibt es als Livemitschnitt auf CD und DVD. Die Lieder wurden dazu komplett neu arrangiert. Wer keine Streicher mag oder wem Schandmaul auch so schon zu wenig rockig sind, sollte mit der CD vorsichtig sein. Für alle anderen ist es eine wunderbare Dokumentation eines musikalischen „Kunststückes“, die es Anfang August sogar bis auf Platz 12 der Media Control Charts und auf Platz 3 der DVD Charts schaffte.

Desorden Público "The Ska Album":

Die 1985 in Venezuela gegründete Band gilt als Erfinder des "Latin Ska", der seitdem als neue Ska-Welle die Welt überrollte. Mit "The Ska Album" haben sie eine Art Best of-Album ihrer bisherigen Bandgeschichte veröffentlicht. Inzwischen hat das Genre zwar einiges hervorgebracht, was wesentlich knackiger rüberkommt, als die teilweise schon vor 20 Jahren geschriebenen Stücke dieser CD. Wer’s jedoch nicht ganz so durchgeknallt sondern eher etwas traditioneller geprägt liebt, ist mit dieser CD bestens bedient, die ein Stück lateinamerikanischer Musikgeschichte dokumentiert.

Gregorian „Chapter V“

Das Konzept bekannte Pop und Rock-Stücke in einen neuen musikalischen Kontext zu stellen, ist ja hinlänglich bekannt (Rock meets Klassik, Apokalyptica etc.). Gregorian haben dazu einen eigenen Stil entwickelt, indem sie die Songs in Form von sakralen Gesängen interpretieren. Von den vier Vorgängeralben sowie den zwei Sonder-CDs haben sie bereits über 3 Mio. verkauft. Es scheint also anzukommen. Auf der neuen Scheibe finden sich Stücke von David Bowie (Heroes), Uriah Heep (Lady in Black), Radiohead (Let Down), Metallica (The Unforgiven) oder Green Day (Boulevard of Broken Dreams). Zugegeben die Auswahl ist exquisit, aber ohne Schlagzeugdonner und „quietschige“ E-Gitarren sind viele der Stücke doch arg demontiert. Es soll ja aber zum Glück auch Menschen geben, die auch ohne können...

Tanzwut „Schattenreiter“

Tanzwut sind nicht zu bremsen: Gleich im Doppelpack erscheint die neue CD und auch musikalisch scheint die Band an Wucht zugenommen zu haben. Es gibt wieder deutschsprachigen Industrial-Rock vom feinsten mit derb-mystischen Texten, die aus der Vergangenheit ins Heute aufzusteigen scheinen. Auch musikalisch gelingt der Band der Spagat zwischen den Zeiten: Metallische Elektrodonnerwände werden durchbrochen von ekstatischen Dudelsackklängen, die einen Hinweis auf die zweite Identität der Musiker bei der Mittelalterband Corvus Corax bieten. Trotz aller Brachialität zeichnen sich die zweimal neun Stücke durch hymnische Eingängigkeit und Tanzbarkeit aus, also Vorsicht: eine CD mit Suchtfaktor!

Schandmaul „Mit Leib und Seele“

Auf ihrem aktuellen Album harmonieren Balladen mit wuchernden Hymnen und wuchtigen Ohrwürmern, untermalt von altem Dudelsack, verbunden mit Heavy Gitarren und wehmutigen Refrains. Dabei erzählt Thomas Lidners melodische Stimme von Drachentötern, Jungfrauen, heidnischen Ritualen und Schlachten. Aus „Dunklen Stunden“, „Wolkenbergen“ und „Großem Wasser“ entspringt Mittelalter-Schlager mit Radio-Garantie.

Negative „Anorectic“

Das sich Negative als Nummer 3 im finnischen Rock etabliert haben, untermauerten sie im Frühjahr auf der gemeinsamen Deutschlandtour mit HIM und The Rasmus. Auch auf ihrer zweiten CD bieten sie wieder Gitarrenrock mit rotzigem Gesang und poppigen Melodien und nutzen dabei die gesamte Bandbreite von hart bis zart. Das Ganze ist äußerst eingängig gemacht, jedoch wenig originell. Platz 1 und 2 bleiben deshalb wohl HIM und The Rasmus erhalten, Platz 3 werden Negative wohl mit diesem Album behaupten können und vielleicht gibt’s dann im nächsten Jahr erneut die Tour im finnischen Dreierpack.

Belasco „Something between us“

Auf ihrem ´Best-Of-Album` der britischen Band kommt weder der Indie-Rock noch die ruhige, fast schon melancholisch anmutende Seite der drei Jungs zu kurz. Gitarrenrock und Schmusesongs sind auf der CD zu finden. Das Album vereint ihre besten Tracks der vergangenen LPs wie die berühmten Auskopplungen „15 seconds“, „I know“ und „Walk in the moon“, sowie diverse Singles. Und auch mit einem neuen Song können die Londoner aufwarten. Alles in allem ein abwechslungsreiches Album, das sich hören lassen kann.

Xandria „Salomé – The Seventh Veil

Mittlerweile hat sich die Band in der Gothic Szene etabliert. Zu Recht, wird sich denken, wer das aktuelle Album hört. Sehr vielfältig präsentiert sich die Band. Balladen, ruhige Melodien, dann wieder schnelle Beats und drückende Gitarrenklänge sind auf der CD vereint. Was ebenfalls positiv überrascht, ist, dass die Sängerin Lisa Middlehauve auf diesem Album auch die tiefen Lagen ihrer Stimmen nutzt. Gerade die Lieder „Vampyre“ und „Sisters of a light“ klingen rauer und die Beats sind schneller, als die restlichen Songs auf der CD. Auch, dass „Entwine“ Frontmann Mika Tauriainen als Gastsänger auf dem Album zu hören ist, macht einen weiteren Reiz von „Salomé“ aus. Es ist auf alle Fälle hörenswert – leidenschaftlich, stark, wild und sinnlich präsentiert sich „Xandria“. (ks)

Schattenreich Volume 4

Auf diesem Sampler findet sich einiges; düsterer Gitarrenrock, Mittelalterrock, UndergroundTechno und dunkle Pop-Musik. Bekannte, kommerzielle Größen wie zum Beispiel Rammstein, Oomph!, Nightwish und Within Temptation, aber auch eher unbekannte, mehr in der Szene berühmte Bands, wie zum Beispiel Straftanz, Welle:Erdball oder Jesus on Extasy sind auf dem Album zu finden. Eine gute Mischung für jeden, der die „schwarze“ Gothic Musik hört, auch wenn die CD sehr elektronisch ausfällt und man sich wundert, weshalb auch Moby und Placebo zu hören sind. (ks)

Down below „Sinfony23“

Düster und geheimnisvoll klingt das neue Album der gerade einmal dreijährigen Band. Trotzdem sind die Melodien kraftvoll und rockig. Bei den Liedern „From the Highest Point“ und „Private soul Security“ sind die Bässe besonders eingängig. Die musikalischen Hauptelemente bestehen aus E-Gitarren und einem Syntesizer und es ist bemerkenswert, was die Band mit diesen Instrumenten hervorbringt: Stimmungsvolle, dunkle und schöne Melodien, mal ruhiger, mal wilder gesungen. Die Texte sind sehr zweideutig gehalten und lassen viele Möglichkeiten, sie zu interpretieren. Ein Album, das sich vielseitig präsentiert und sich lohnt, gehört zu werden.

(uc)