Kürzlich bekam erstmalig eine nicht aus Fachleuten bestehende Besuchergruppe die Gelegenheit, das seit 1874 bestehende Oslebshauser Gefängnis zu besichtigen, wo fast 550 Menschen „zeitweilig“ leben. Die interessierten Besucher aus dem Landkreis Verden, hatten sich vor der Besichtigung bei der KVHS Verden für diese Exkursion angemeldet.

Für all diejenigen, die in nächster Zeit vermutlich nicht „Hinter Gittern“ sein werden, hier zunächst einige Fakten von der Besichtigung: Herr Hellpap, stellvertretender Leiter der JVA Bremen und sein Kollege Herr Kümmel, der schon seit 30 Jahren (2 x „lebenslänglich“) in der JVA arbeitet, erläuterten uns viele interessante Details während des Rundgangs. Wir besichtigten dabei den größten, jedoch auch maroden Gebäudekomplex der drei JVA-Standorte. Die Bremer Anstalt gliedert sich weiterhin in mehrere Vollzugsabteilungen, wozu als eine Abteilung auch der Jugendvollzug zählt. Neben der Untersuchungshaft werden in Bremen Freiheitsstrafen bis zu 8 Jahren vollzogen. Darüber hinausgehende Haftstrafen werden gemäß Ländervertrag in Niedersachsen verbüßt.

Neben der täglichen Arbeit wird großen Wert auf die schulische Ausbildung gelegt. Hier werden differenzierte Angebote unterbreitet, um die Bildungsdefizite zu beheben. Geeignete Insassen können einen Hauptschulabschluss erlangen.

Am Anfang unserer Führung sahen wir den vermutlich kreativsten Arbeitsbereich, die Bildhauer-Werkstatt. Dort erhält eine aus nur 8 Jugendlichen bestehende Gruppe die besondere Gelegenheit, ihr künstlerisches Potential zu entfalten. Davon zeugen zahlreiche farbreiche Plastiken, die mit viel Phantasie und Kreativität modelliert worden sind. Die überwiegende Anzahl der Insassen arbeitet aber in Hauswirtschafts- (Küche, Bäckerei, Wäscherei), Handwerks- (Tischlerei, Schlosserei) und Stücklohnbetrieben. Anschließend besuchten wir die Sporthalle, in der gerade Fußball gespielt wurde und ansonsten auch Kraftsport betrieben wird. Nachdem die Bücherei mit ihrem umfangreichen Büchersortiment besichtigt worden war, erlebten wir eine kuriose Überraschung: Den „Knast im „Knast“ - die Tierhaltung! - Hier gilt jedenfalls: Ausbruchversuche sind garantiert zum Scheitern verurteilt; denn die Hühner, Ziegen und Hängebauchschweine würden bei einem geglückten Fluchtversuch sicherlich nicht weiter als bis zum nahen unüberwindlichen Knast-Zaun kommen!

Danach kamen wir zu einem Zellentrakt des Jugendvollzugs, wo wir auf zwei junge Häftlinge trafen. Einer gestatte uns sogar die Besichtigung seiner ca. 6 qm großen Zelle. Den Gefangenen werden zwecks Freizeitgestaltung verschiedene Gruppenangebote, wie z.B. Anonyme Alkoholiker, Ausländergruppen und als Gefangenenhilfsorganisation das Schwarze Kreuz der evangelischen Kirche angeboten.

Apropos Kirche, die gibt´s natürlich auch in der Sonnemannstr. 2, wo wir zum Ausklang unserer Besichtigungstour bei Kaffee und Keksen noch den Erläuterungen des Gefängnis-Seelsorgers Herrn Ahrens lauschten. Während Herr Hellpap und Herr Kümmel beim Gang zum Einfahrtstor noch letzte Fragen beantworteten und sich dann hinter uns wieder das Tor langsam schloss, fand ein erlebnisreicher Nachmittag seinen Abschluss. (gp)