Kinderhospiz Löwenherz

Am Waldrand entlang gelangt man auf einem Feldweg zu einem Anwesen, das von weitem an eine Oase oder ein Fort in der Steppe erinnert. Bei näherer Betrachtung hat der ganz in Holz gehaltene Gebäude-Komplex in seinem modernen Design etwas futuristisches. Doch nicht nur äußerlich ist hier im Jahre 2003 am Stadtrand von Syke etwas ungewöhnliches neues entstanden: Das damals erst zweite Kinderhospiz in ganz Deutschland.

Wer beim Namen Hospiz zuerst an die düsteren Sterbehäuser aus dem Mittelalter denkt, sieht sich hier getäuscht. Auch wenn es hier um das Thema Tod geht, so ist das Löwenherz doch ein lebendiger, freundlicher und lebensbejahrender Platz.

Neben Olpe und Syke gibt es inzwischen an sechs weiteren Orten solche Einrichtungen. Das Löwenherz deckt also weiterhin ein ziemlich großes Einzugsgebiet ab. Die Bekanntheit und die Nachfrage sind kontinuierlich ansteigend. Insgesamt 28 Tage können Familien mit unheilbar kranken Kindern hier pro Jahr verbringen und sowohl sich als auch dem betroffenen Kind eine zeitlang Erholung von ihrem seelisch und physisch anstrengenden Alltag gewähren.

Betritt man das Hauptgebäude, so fallen als erstes die von der Decke hängenden bunten Schmetterlinge auf. Jedes Elternteil oder -paar bastelt bei dem ersten Besuch ein solches Tier für das erkrankte Kind, mit dessen Foto versehen der Schmetterling fortan den Eingangsbereich des Kinderhospizes schmückt. Stirbt das Kind, so gehört es zum Abschiedsritual, den abzunehmen und mit einem gasgefüllten Luftballon zum Himmel steigen zu lassen. Im Garten erinnert danach ein bunt bemalter Feldstein an das Kind. Seit der Gründung wurden hier bereits XXX Schmetterlinge aufgehängt und XXX wieder steigen gelassen. Zum Abschied nehmen gibt es einen speziellen Ritual- sowie einen Aufbahrungsraum, der auch extren genutzt werden kann. Als beste Lösung sehen die Löwenherz-Mitarbeiter, wenn das Kind seine letzten Stunden daheim in seiner gewohnten Umgebung verbringt. Ist dies jedoch nicht möglich, so können die Familien diese schwer Zeit auch mit Unterstützung des Fachpersonals im Kinderhospiz verbringen. Die Hauptaufgabe der Einrichtung soll es hingegen sein, den Kindern und ihren Angehörigen das Leben etwas zu erleichtern bevor es zu diesem Punkt kommt. Für viele Eltern, deren Kinder rund um die Uhr betreut werden müssen, ist es bereits ein großer Segen, mal eine Nacht durchschlafen oder einen kinderfreien Waldspaziergang machen zu können. Aus diesem Grund sind der Betroffenen- und die Angehörigen-Wohnbereich im Löwenherz örtlich voneinander getrennt.

Zur Betreeung der kranken Kinder gibt es zahlreiche kindgerecht in hellen Farben eingerichtete Freizeit-, Entspannungs- und Behandlungsräume. Es bestehen zahlreiche Kooperationen mit Physiotherapeuten und Ärzten, so dass die medizinische Betreuung jederzeit gewährleistet ist. Auch für die seelischen Belange haben sowohl der Löwenherzseelsorgen Jörg Sbrisny sowie auch die anderen Mitarbeiter immer ein offenes Ohr.

Da ein todkrankes Kind sämtliche Angehörigen eine Belastung bedeutet, hat das Löwenherz auch Angebote wie ein Geschwistercamp im Sommer oder eine Großeltern-Woche im Februar.

Weil einerseits die acht Plätze insbesondere in den Ferien oft zu knapp bemessen sind und andererseits die Einrichtung eher den Bedürnissen von kleineren Kindern entspricht soll das Löwenherz um einen Jugendbereich ergänzt werden. Noch in diesem Jahr soll der Bau der Erweiterung beginnen, in der acht neue Plätzer für Betroffene im Teenageralter entstehen. (uc)