Zehn Jahre sind in der Veranstaltungswelt eine kleine Ewigkeit. Vor allem dann, wenn es sich nicht um ein kommerzielles Großformat handelt, sondern um eine offene Bühne, die vom Mitmachen lebt. Die Open Stage Verden gehört genau in diese Kategorie – niedrigschwellig, direkt, und inzwischen fest im lokalen Kulturkalender verankert.
Am Samstag, 25. April, startet die neue Saison – und gleichzeitig das Jubiläumsjahr. Von 11 bis 13 Uhr wird der Rathausplatz wieder zur Bühne. Der Eintritt bleibt, wie in den vergangenen Jahren, frei.
Bühne ohne Filter
Das Konzept ist bewusst einfach gehalten: Künstlerinnen und Künstler bekommen rund 20 Minuten, um sich zu zeigen. Kein Wettbewerb, kein Druck, keine perfekte Inszenierung – dafür echte Auftritte. Genau das ist der Kern der Open Stage: ausprobieren dürfen, ohne gleich bewertet zu werden.
Gerade für Nachwuchsacts ist das Format ein Einstieg. Für etabliertere Musikerinnen und Musiker eine Möglichkeit, Material zu testen oder einfach wieder nah am Publikum zu sein.
Musik, die nicht geschniegelt ist
Mit dabei ist unter anderem Eles8, ein Projekt, das seit rund zwei Jahren aktiv ist und sich stilistisch zwischen Pop, Hip-Hop und Rap bewegt. Die Bühne dient hier weniger als Präsentationsfläche, sondern eher als Labor.
Double Nickel setzen einen klaren Kontrast dazu. Das Duo um Jan-Hendrik Thalmann (Gesang, Gitarre) und René Gebauer (Harp) bringt Blues und Americana auf den Platz – reduziert, handgemacht, ohne elektronische Umwege.
Moderation mit Haltung – und Humor
Durch das Programm führt erneut Tom Kirk, der nicht nur moderiert, sondern selbst als Liedermacher auftritt. Seine Texte bewegen sich zwischen Ironie und Absurdität – mit bewusst überspitzten Themen und einer klaren Haltung zur Gegenwart.
Wer wissen will, wie man den „Frühen Vogel“ politisch einordnet oder warum Hamster theoretisch als Snack taugen könnten, wird hier zumindest unterhalten – wenn auch nicht unbedingt aufgeklärt.
Comedy zwischen Alltag und Übertreibung
Ergänzt wird das Programm durch dermeckerling alias Nils Teiwes, der den Blick vom Musik- ins Alltagsgeschehen lenkt. Seine Geschichten basieren oft auf realen Beobachtungen – ergänzt um genau so viel Übertreibung, dass es funktioniert.
Thematisch bewegt er sich quer durch den digitalen Alltag: von Produktrezensionen über absurde Berufsideen bis hin zu satirischen Alltagsanalysen. Seit 2019 ist er zudem Teil des Podcasts „KATZENGOLD“.
Mehr als nur ein Termin
Dass die Open Stage zehn Jahre überdauert hat, ist kein Zufall. Formate dieser Art funktionieren nur, wenn sie angenommen werden – von Künstlern ebenso wie vom Publikum. Der Rathausplatz wird dabei nicht zur Kulisse, sondern zum Treffpunkt.
Zum Jubiläum kündigen die Veranstalter zudem eine kleine Überraschung für das Publikum an. Details bleiben offen – was ins Konzept passt.
Denn auch nach zehn Jahren gilt: Die Open Stage ist kein fertiges Produkt. Sie ist ein Raum, in dem etwas entstehen kann.
