Wenn ein gläserner Sarg durch Verden rollt, ist es wieder soweit: Die Domweih endet. In diesem Jahr war der Abschied ein besonderer – die Beerdigungsgesellschaft feierte ihr 50-jähriges Jubiläum. Wir haben mit Aike Ensink gesprochen, die nicht nur mitgelaufen ist, sondern auch hinter den Kulissen zusammen mit ihren Kollegen:innen viel bewegt hat.
Aike Ensink (Beerdigungsgesellschaft Verden)
„Ich bin eher ein Traditionsmensch – und das hier ist meine liebste Tradition“
Aike ist 2019 in die Beerdigungsgesellschaft eingetreten, nachdem sie durch Freund:innen davon erfahren hatte. Ihr erster geplanter Einsatz wäre 2020 gewesen – aber dann kam Corona. So lief sie erst 2023 das erste Mal offiziell mit – und war sofort begeistert:
Früher fand ich das immer traurig: Wenn die mit dem Sarg kamen, war die Domweih vorbei. Heute sehe ich das anders. Ich bin ein Fan von Traditionen – und das hier ist eine, die Spaß macht.
Was zunächst wie ein lockerer Verein wirkte, ist in Wirklichkeit eine engagierte Gemeinschaft. Die Gruppe organisiert sich in Arbeitsgruppen – für Presse, Social Media, Werbung, Festausschuss. Es gibt Schnitzeltouren, Kohlfahrten und Grillabende – und eine Altersbandbreite von 28 bis 79 Jahren. Das jüngste Mitglied ist Joshua Bornscheuer, der älteste ist Peter Gerbitz.
Jubiläum mit Stil – und Zylinder
Zum 50. Jubiläum 2025 gab es viele Neuerungen: Erstmals fuhr ein alter Leichenwagen im Umzug mit, zum ersten Mal marschierten alle in voller Montur – inklusive weißer Handschuhe und Zylinder.
- große schwarze Luftballons mit Symbolcharakter
- eigens gedruckte Bierdeckel
- Plakate und Flyer in der ganzen Stadt
- ein neuer Glanz auf Social Media
Früher hieß es: Keine Veränderung! Jetzt haben wir frischen Wind. Wir sind moderner geworden – aber die Seele ist geblieben.
Stimmen von außen
„Die Stimmung war ausgelassen, aber auch ein bisschen wehmütig. Es war wirklich voll – genauso, wie wir uns das wünschen.“
„Man hat die 50 auf dem Sarg gesehen – das war schon besonders.“
Der Moment, der bleibt
Aike erinnert sich besonders gern an den Donnerstagabend:
Wenn man mit der Beerdigungsgesellschaft durch die Domweih läuft, nimmt man alles ganz anders wahr. Die Fahrgeschäfte, die Stimmung, die Lichter – das war eine richtig coole Atmosphäre.
Das Feuerwerk, ausgeführt von Mark Semmer und beauftragt von der Stadt Verden, setzte dem Ganzen die Krone auf. Laut Aike waren allein auf der Südbrücke mehrere hundert Menschen versammelt, als die Beerdigungsgesellschaft mit Fackeln und Musik durch Verden zog:
Es war wie beim Rattenfänger von Hameln – die Leute sind uns wirklich gefolgt!
Abschied mit Vorfreude
Getrauert wurde nicht – im Gegenteil: Die Stimmung war fröhlich und würdevoll zugleich. Und für die Beerdigungsgesellschaft ist klar: Das war kein Schlussstrich, sondern ein Anfang mit frischem Wind.
Auf die Frage, was Aike der Domweih ins Ohr flüstern würde, sagt sie:
Tschüss, mach’s gut – wir sehen uns nächstes Jahr.
