Insbesondere Frauen und Mädchen betroffen
Digitale Gewalt war das Thema der letzten Sitzung des Kreisfrauenrates
beim Landkreis Verden in diesem Jahr. Dazu hatte das Gremium die neue
Beauftragte für Kriminalprävention der Polizeiinspektion Verden/Osterholz,
Kriminaloberkommissarin Jean Duschek, eingeladen.
Duschek stellte in ihrem Vortrag die vielfältigen Formen digitaler Gewalt
vor. Dazu zählt unter anderem das Cybermobbing, bei dem Personen durch
Beleidigungen, Bedrohungen oder Bloßstellen längerfristig digital
angegriffen werden. Eine weitere Form sind Hassreden in Form von
sexistischen oder rassistischen Kommentaren sowie Aufrufen zu Gewalt bis
hin zu Vergewaltigungsphantasien.
Digitale Gewalt, so Duschek, könne aber auch als so genanntes „Doxxing“
in Erscheinung treten, was die Veröffentlichung persönlicher Daten wie
Anschrift, Telefonnummer oder Arbeitsort meint. Daneben gebe es auch
Formen bildbasierter Gewalt wie „Deepfakes“. Dabei würden beispielsweise
Gesichter Betroffener in pornographische Darstellungen im Netz montiert.
Eine weitere Form sei das unaufgeforderte Zusenden sexueller Nachrichten,
die so genannten „Dickpics“.
Von digitaler Gewalt seien besonders häufig Frauen und Mädchen betroffen,
so Duschek. Insbesondere Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen wie
beispielsweise Politikerinnen oder Aktivistinnen, würden Opfer gezielter
Hasskampagnen in den sozialen Medien. Das perfide daran sei, dass
digitale Gewalt anonym und rund um die Uhr erfolgen könne und ein
großes Publikum erreiche. Die Täter versuchten häufig Kontrolle
auszuüben, einzuschüchtern, zu demütigen und die Person aus dem
öffentlichen Diskurs auszuschalten und somit auf politische Prozesse
Einfluss zu nehmen. Gefährlich sei zudem, dass sich digitale und analoge
Gewalt gegenseitig verstärken und Gewaltaufrufe im Netz zu realen
Übergriffen führen können.
Digitale Gewalt habe, so die Referentin, einerseits individuelle Folgen für
die Betroffenen von Angst und Stress bis hin zu langfristigen psychischen
Belastungen. Andererseits verursache digitale Gewalt auch
gesamtgesellschaftliche Folgen, weil Meinungsfreiheit und demokratische
Teilhabe zunehmend eingeschränkt würden, wenn sich Betroffene aus dem
Diskurs zurückziehen.
Für Betroffene sei es wichtig, Beweise zu sichern, beispielsweise in Form
rechtssicherer Screenshots, umgehend die Polizei zu informieren,
Löschanträge bei Suchmaschinen wie Google zu stellen und gegebenenfalls
Daten wie E-Mail und Telefonnummer zu ändern. (pt)

Mosterei Finkenburg


