Beerdigungsgemeinschaft Verdener Domweih startet vorbereitet in die fünfte Jahreszeit
Wenn in Verden die Domweih beginnt, ist eines sicher: Am Ende wird sie wieder würdevoll, lautstark und mit einem Augenzwinkern zu Grabe getragen. Dafür sorgt seit Jahrzehnten die Beerdigungsgemeinschaft Verdener Domweih – eine schwarz-weiße Institution mit Zylinder, Trauerflor und sehr viel Sinn für Verdener Brauchtum.
Vom 30. Mai bis zum 4. Juni 2026 verwandelt sich die Verdener Innenstadt wieder in eine große Festmeile. Tanzzelte, Fahrgeschäfte, Pöttjermarkt und kulinarische Klassiker gehören dazu – ebenso wie der traditionelle Domweihumzug zum Auftakt. Die Beerdigungsgemeinschaft bildet dabei das Schlusslicht des Umzugs und eröffnet gegen 15 Uhr feierlich die Domweih. Kamelle inklusive, Böllerschüsse sowieso.

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Im vergangenen Jahr feierte die Gemeinschaft ihr 50-jähriges Bestehen und belegte beim großen Umzug den zweiten Platz. Ein Jubiläum, das zeigt: Diese besondere Mischung aus Ritual, Humor und Heimatgefühl hat in Verden längst ihren festen Platz.
„Sobald die Domweih endet, beginnen bei uns schon wieder die groben Vorbereitungen für die nächste fünfte Jahreszeit“, sagt Hans-Joachim Rauba aus dem Vorstand. Denn nach der Domweih ist bekanntlich vor der Domweih. Die Särge müssen nach dem Einsatz gereinigt, eingelagert und bei Bedarf repariert werden. Besonders der Sarg, der am Donnerstagabend symbolisch zu Grabe getragen wird und anschließend in der Aller landet, kommt nicht immer ganz unversehrt aus der Saison. Brauchtum mit Wasserschaden, könnte man sagen.
Trotz aller Routine setzt die Gemeinschaft auch auf neue Ideen. Angela Möhle aus dem Vorstandsdreigestirn beschreibt eine spürbare Weiterentwicklung: starre Strukturen wurden aufgebrochen, die Außendarstellung modernisiert. Dazu gehören Social-Media-Aktivitäten, ein neues Wappen, Werbemaßnahmen wie bedruckte Bierdeckel und das jährlich gestaltete Schaufenster in der Großen Straße 97. Dort gibt die Gemeinschaft mit liebevollen Details Einblicke in Vergangenheit und Zukunft.
Auch intern hat sich einiges getan. Arbeitsgruppen bringen neue Ideen ein, Mitglieder engagieren sich das ganze Jahr über. Neben Sitzungen und Arbeitseinsätzen kommt das Feiern nicht zu kurz: Weihnachtsmarktbesuche, Boßeltouren, Schnitzelessen und Grillfeste gehören ebenfalls zum Jahreslauf. „Wer feste arbeitet, sollte auch Feste feiern“, meint Vorstandsmitglied Philipp Tietje – eine Haltung, die zur Domweih ungefähr so gut passt wie Zylinder zum Trauerzug.
Besonders deutlich zeigt sich der Wandel bei der Zusammensetzung der Gruppe. Die Beerdigungsgemeinschaft ist längst keine reine Männerdomäne mehr. Immer mehr Frauen gehören dazu, das Verhältnis zwischen Männern und Frauen ist inzwischen nahezu ausgeglichen. Weibliche Power in Anzug, Fliege und Zylinder – Verden kann sich offenbar auch in Schwarz-Weiß weiterentwickeln.
Der große Auftritt folgt dann am letzten Domweihtag, Donnerstag, 4. Juni, ab 19.30 Uhr. Vom Sommergarten des Hotel Höltje aus setzt sich der skurrile Trauerzug in Bewegung. Vorneweg der „Pastor“ Udo Grotzsch, begleitet von Blasmusik, Fackeln und einer Formation, die man schon aus der Ferne an den schwarzen Zylindern erkennt.
Um Mitternacht wird die Domweih schließlich symbolisch „zu Grabe getragen“. Viele Besucherinnen und Besucher verfolgen das Spektakel auf der kleinen Südbrücke oder begleiten den Fackelzug durch die Fußgängerzone. Zum Abschluss erhellt das Feuerwerk den Nachthimmel über Verden – und spätestens dann ist klar: Die Domweih ist vorbei. Also fast. Denn bei der Beerdigungsgemeinschaft beginnt dann gedanklich schon wieder die nächste.
Quelle: Pressemitteilung der Beerdigungsgemeinschaft Verdener Domweih.
