„Ich wandre durch Theresienstadt“- Konzert
📅 25.01.2026
🕒 17 Uhr Uhr
📍 Rathaussaal in Oyten
1. Wo und Wann ?
Das Konzert des „Namu-Ensembles“ findet am 25.01.2026 um 17.00 Uhr im Rathaussaal in Oyten statt. Die Musikerinnen und Musiker spielen unter dem Titel „Ich wandre durch Theresienstadt“ Musik von Komponistinnen und Komponisten, die während des zweiten Weltkriegs im Ghetto Theresienstadt interniert waren und dort oder im Anschluss in Vernichtungslagern gestorben sind. Das Konzert wird moderiert, wir erfahren etwas über die furchtbaren Lebensverhältnisse und das grausame Schicksal der Menschen in Theresienstadt, aber auch über deren Stärke und Resilienz. Erinnerungskultur, die ein klares Signal gegen Antisemitismus setzen will.
2. Wer tritt auf ?
Das Namu-Ensemble wurde im Jahr 2020 gegründet und ist mit seiner Nonett-Besetzung Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott, Horn, Geige, Bratsche, Cello und Kontrabass ein junger Bremer Klangkörper, der sich großer Kammermusikwerke annimmt. Das Ziel ist, unterrepräsentierten Komponist*innen eine Bühne zu geben, die aus den verschiedensten Gründen heute nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen. Es wirken mit: Dähi Kim – Flöte
Dannielle Seiler – Oboe
Susanne Milkus – Klarinette
Oscar Alemany – Horn
Abigail Kirsten – Fagott
Lisa Werhahn – Violine
Hanna Craib – Viola
Gerke Jürgens – Cello
Rodolfo Ventorim – Kontrabass
Annkatrin Babbe – ModerationKomponist*innen
3. Die Musik ist von
Ilse Weber (1903-1944)
Von einem jungen Alter an war die tschechoslowakische und jüdische Ilse Weber bereits im deutschen Sprachraum als Schriftstellerin und Dichterin bekannt. Beim Einmarsch der Nazis musste sie sich von ihrem Sohn verabschieden, der mit einem Kindertransport nach England in Sicherheit gebracht wurde. Sie selbst wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert. Dort arbeitete sie in der Kinderkrankenstube als Krankenschwester. Für diese Kinder und in Gedenken an ihren Sohn komponierte sie Lieder. 1944 wurde sie mit den kranken Kindern nach Auschwitz deportiert, wo sie bald nach ihrer Ankunft ermordet wurde.Hans Krása (1899-1944)
Hans Krása studierte bei Alexander von Zemlinsky an der Deutschen Akademie für Musik und darstellende Kunst in Prag, bevor er Korrepetitor am Neuen Deutschen Theater in Prag wurde. 1938 komponierte er seine bekannte Kinderoper Brundibár, die wegen des Einmarsches der Nazis im Geheimen uraufgeführt wurde. 1942 wurde er nach Theresienstadt deportiert. Im Propagandafilm Theresienstadt „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“ haben die Nazis seine Kinderoper missbraucht, um einen falschen Eindruck der Lebensbedingungen in Theresienstadt darzustellen.1944 wurde er in Auschwitz ermordet.Pavel Haas (1899-1944)
Einer der bekanntesten Kompositionsschüler Leoš Janáčeks war Pavel Haas. Mit seinem Bläserquintett hatte er schon 1935 internationale Aufmerksamkeit bekommen und war auf dem Weg zu einer großen Karriere. 1939 wurde er gezwungen, sich mit seiner Familie vor den Nazis zu verstecken. Er musste sich von seiner Frau trennen, um seine Tochter zu schützen. 1941 wurde er nach Theresienstadt deportiert. Am 17. oder 18. Oktober 1944 wurde er in Auschwitz ermordet.Gideon Klein (1919-1945)
Der jüdische und hochbegabte Klavier- und Kompositionsstudent Gideon Klein war kaum 20 Jahre alt, als die Nazis in Böhmen und Mähren einmarschierten. Er wurde gezwungen, sein Studium abzubrechen und durfte seine Werke nicht in der Öffentlichkeit präsentieren. 1941 wurde er nach Theresienstadt deportiert, doch trotz der unmenschlichen Verhältnisse, komponierte er weiter. Sein Streichtrio vollendete er am 7.10.1944 – neun Tage bevor er nach Auschwitz deportiert wurde. Im Stück gibt es deutliche Spuren seiner Heimat zu hören.Rudolf Karel (1880-1945)
Rudolf Karel war Kompositionsschüler von Antonin Dvorák und wurde 1923 Professor für Komposition am Prager Konservatorium. Neben seiner Kompositionstätigkeit war er politisch aktiv. So half er KZ-Flüchtlingen zu entkommen. 1943 wurde er von den Nazis inhaftiert und später nach Theresienstadt deportiert. Unter den furchtbaren Lebensbedingungen dort ist er am 6. März 1945 gestorben.
4. Warum veranstalten wir (KiO) das Konzert?
Vor etwa einem Jahr traten die Musikerinnen des NAMU Ensembles an unseren Verein heran, um ihr Repertoire vorzustellen. Das hat bei uns zu mehreren Fragen geführt: Muss man sich mehr als 80 Jahre nach dessen Ende noch mit dem Grauen und den Folgen des zweiten Weltkrieges beschäftigen? Was geht uns das Thema heute noch an? Folgt aus unserer Geschichte Verantwortung ? Wir haben die Fragen für uns beantwortet und das NAMU Ensemble deshalb nach Oyten eingeladen. Erinnerungskultur – auch anlässlich des Gedenktags an die Opfer des Nationalsozialismus, der am 27.01.2026 stattfindet.
5. Was gibts noch ?
Im Zusammenhang mit dem Konzert haben wir verschiedene Personen und Institutionen vor Ort angesprochen und uns auch mit der Frage beschäftigt, was zur Zeit des zweiten Weltkriegs in Oyten und Umgebung geschah. Daher werden anlässlich des Konzerts im Foyer des Rathaussaals auch Berichte aus Zeitungen und von einem Zeitzeugen vorgestellt. Außerdem stellen Schülerinnen und Schüler der IGS Oyten Projektarbeiten zu Themen des zweiten Weltkrieges vor, u.a. mit Informationen über Theresienstadt.
Infos vom Veranstalter